Lola Müthel, Portrait von Arma
Lola Müthel - - - Foto: ARMA Belen

Lola Müthel

im Gespräch mit Gabriella Lorenz
1989

* 9. März 1919 in Darmstadt
† 11. Dezember 2011 in Gräfelfing

Persönlichkeiten
der Theatergeschichte

Auf die gebürtige Berlinerin passen alle Attribute der Vollblutschau-spielerin, der großen Heroine, der klassischen Tragödin. Und sie hat nichts dagegen. Denn Lola Müthel ist mit ihrem Beruf mindestens ebenso intensiv verheiratet wie mit ihrem Mann und Schauspielerkollegen Hans Caninenberg, mit dem sie seit 1966 in Gräfelfing bei München ansässig ist. Sie war der Shooting Star der späten 30er Jahre, hat sich seitdem in ganz Deutschland quer durch die Klassiker gespielt, ohne die Moderne auszulassen. In München sah man sie von 1972 bis 1984 am Residenztheater (Resi), zur Zeit ist sie freiberuflich vorwiegend in Berlin engagiert. Rothaarig, mit mondäner Ausstrahlung und bahnbrechender Vitalität, holt sie im Gespräch ganz en passant so viel interessantes aus ihrer Vita, daß man mit diesem theaterhistorischen Abriß leicht ein halbes Lexikon füllen könnte.

Wie Sie zum Theater gekommen sind, braucht man Sie nicht zu fragen. Sie sind im Metier aufgewachsen: Ihr Vater, Lothar Müthel, war ein berühmter Regisseur, ihre Mutter, Marga Reuter, Operettensängerin. Haben Sie je daran gedacht, einen anderen Beruf zu ergreifen?

Weil mein Vater in Berlin so bekannt war, wollte ich eigentlich zunächst nicht zum Theater, sondern Ärztin werden. Aber dann kamen die berühmten Schlüsselerlebnisse, wo man einfach sagt: Ich muß auf die Bühne. Um mir selbst zu beweisen, daß ich kein Protektionskind bin, habe ich mich mit 16 Jahren unter falschem Namen zur Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule angemeldet und gut bestanden. Schauspielerei ist ein seltsamer Beruf, aber ich bin restlos glücklich darin. Ich kann mir keinen schöneren vorstellen.

Wie ging es danach für Sie weiter?

Mein damaliger Mann war Schweizer, und ich ging mit ihm nach Zürich, wo 1945 meine Tochter geboren wurde. Aber ich konnte dort nicht spielen, denn ich kam aus Nazideutschland und das Züricher Schauspielhaus war voll mit deutschen Emigranten, wunderbaren Leuten wie Therese Giehse und Leopold Lindtberg. Ich bin dann nach dem Krieg schwarz, ohne Papiere, nach Deutschland zurückgegangen und habe wieder bei Langhoff am Deutschen Theater in Berlin gespielt. Für damalige Verhältnisse war das unverzeihlich, daß ich für meinen Beruf Mann und Kind im Stich ließ! Aber es war eine tolle, intensive, unbeschreibliche Zeit nach dem Krieg, da hat man das Theater besonders geliebt. Was da für eine Aufmerksamkeit im Publikum herrschte! Ich spielte damals

mit Horst Caspar Goethes „Iphigenie", und wenn Iphigenie von ihrer Herkunft aus dem verfluchten Tantalus Geschlecht sprach, bezog man das sofort auf das Schicksal der Deutschen.
Ich pendelte dann eine Weile zwischen Zürich und Berlin, bis ich schließlich mit meiner Tochter wieder ganz nach Deutschland zog. Ich machte einen Sprung zu Paul Hoffmann und seinem prächtigen Ensemble nach Frankfurt, dann nach anderthalb Jahren wieder nach Berlin.
Dort hatte ich in Oscar Fritz Schuhs Inszenierung
Gustaf Gründgens,Lola Müthel
Lola Müthel mit Gustaf Gründgens in
„Der Marquis von Keith" von Wedekind,
Regie: Gustaf Gründgens.
Deutsches Theater, Berlin, 1947 Foto: Croner

Sie hatten einen Start wie nur wenige. Als 17jährige holte Sie Gründgens
von der Schauspiel-
schule direkt ans
Deutsche Theater?

Ja, das war ein riesiges Glück, denn Gründgens war an der Schule gar nicht mein Lehrer. Wir Schauspielschüler durften bei den Proben im Deutschen Theater dabei sein und auch statieren. Bei den Wiederaufnahmeproben zu „Faust II" ließ mich Gründgens einmal das Gretchen doubeln, weil Käthe Gold krank war. Als er wenig später „Hans Sonnenstößers Höllenfahrt" von Paul Apel inszenieren und selbst die Hauptrolle spielen sollte, wollte er mich sprechen. Er machte es spannend, erklärte mir, daß er so kurz nach seiner Hochzeit mit Marianne Hoppe nicht mit ihr als Partnerin spielen wolle, damit es nicht nach Protektion aussähe. Und schließlich sagte er: „Ich möchte die Rolle mit dir als Partnerin machen." Bei der Premiere war er wahnsinnig aufgeregt - das war er immer. Er war ein miserabler Premierenschauspieler, genau wie ich. Er patzte und hing derartig, daß eigentlich der

Gustaf Gründgens,Lola Müthel
Lola Müthel mit Gustaf Gründgens nach der Probe
im Deutschen Theater, Berlin,

Vorhang hätte fallen müssen.Da habe ich mit meinen 17 Jahren die Premiere gerettet, weil ich ihn durch Improvisieren wieder auf das richtige Gleis gesetzt habe. Heute könnte ich das nicht mehr, heute bin ich selbst viel zu aufgeregt. Ich hatte einen wunderbaren Anfang, den schönsten, den man sich denken kann. Ich war an der Spitze des Theaters in Berlin, habe trotz meiner Jugend viele große und schöne Rollen gespielt, hatte phantastische Kollegen, die ganz neidlos und herzlich mit uns Jungen umgingen. Das Theater war ja in der Nazi-Zeit eine Insel.
Göring war sein Schutzherr, es war sein Spielzeug, und Gründgens hatte Narrenfreiheit. Vielleicht waren zwei oder drei Leute im Ensemble, bei denen man aufpassen mußte, aber Denunziation oder sowas gab's nicht. Wir haben Glück gehabt, bis es dann im Herbst 1944 mitten in den Proben zu „ Dame Kobold" hieß: Aus!
Alle Theater in Deutschland schließen.

„Sechs Personen suchen einen Autor" von Pirandello einen Riesenerfolg.
Alle Theater umwarben mich. Aber als mich Harry Buckwitz nach Frankfurt rief, um die „Lysistrata" zu spielen, hat mich das noch mehr gereizt. Damit hatten wir einen solchen Knallerfolg, daß ich dann in Frankfurt blieb.

Ihr Vater war ja gleichzeitig Schauspieldirektor in Frankfurt. Haben Sie dort zusammengearbeitet?

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Lola Müthel, große Heroine, Schauspielerin, Staatsschauspielerin, Drama, Musical Star
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