"Im Weißen
Rößl"
am Wolfgangsee
Besetzung
Dagmar Manzel (Josepha Vogelhuber), Max Hopp (Leopold Brandmeyer, Zahlkellner),
Dieter Montag (Wilhelm Giesecke, Fabrikant), Kathrin Angerer (Ottilie, seine
Tochter), Christoph Späth (Dr. Erich Siedler, Rechtsanwalt), Thorsten
Merten (Prof. Dr. Hinzelmann, Lehrer), Peter Renz (Sigismund Sülzheimer,
Fabrikant), Julia Giebel (Klärchen, seine Tochter), Miguel Abrantes
Ostrowski (Der Piccolo), Irm Hermann (Der Kaiser), Mirka Wagner (Briefträgerin
Kathi) sowie die Chorsolisten und das Orchester der Komischen Oper Berlin
Entstehung.
Die Revue-Operette Im Weißen Rößl, 1930 im Großen
Schauspielhaus Berlin unter Erik Charell uraufgeführt, war einer der
größten Theatererfolge der Weimarer Republik — und einer
der kostenintensivsten wohl auch. »Siebenhundert Menschen haben ihr
täglich Futter, dreitausend die Illusion, glücklich zu sein«,
schrieb das Berliner Tagblatt. Charell, ehemaliger Tänzer und von Max
Reinhardt mit der Leitung des Schauspielhauses betraut, hatte während
eines New-York-Gastspiels am Broadway gelernt, wie die Amerikaner Revuen
produzierten und dieses Prinzip zum ersten Mal mit An Alle! (1924) sehr
erfolgreich für Berlin adaptiert. Dabei war er nicht der einzige, der
mit dieser Form des Unterhaltungstheaters das Berliner Publikum begeisterte:
James Klein an der Komischen Oper an der Weidendammer Brücke und H
Hermann Haller im Admiralspalast spielten ebenfalls Revuen. Die traditionelle
Ausstattungsrevue erweiterte Charell ab 1926 um modernisierte Operettenklassiker
wie Der Mikado oder Die lustige Witwe. Dabei brach er mit deren Aufführungstradition
und machte aus den Vorlagen so genannte Revue-Operetten. Die Stücke
wurden musikalisch bearbeitet, zum Teil ihrer Handlungslogik beraubt und
in die Passgrößen der Revue eingefügt. Mit Casanova (1928),
Die drei Musketiere (1929) und vor allem mit Im Weißen Rößl
fand dieses neue Genre schließlich seinen Höhepunkt.
Der Entstehungsprozess des Weißen Rößl zeichnet sich —
stärker noch als die Operette und fast den Produktionsbedingungen Hollywoods
ähnelnd — durch eine große Arbeitsteiligkeit aus: Erik
Charell und Hans Müller adaptierten das 1897 uraufgeführte Volksstück
von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg und schrieben die Dialoge. Robert
Gilben zeichnete für die Gesangstexte verantwortlich. Und obwohl Ralph
Benatzky als Komponist des Rößl geführt wird, stammen vier
Nummern von Robert Stolz bzw. Robert Gilbert und Bruno Granichstaedten —
etwa »Was kann der Sigismund dafür« oder »Die ganze
Welt ist himmelblau«. Eduard Künneke übernahm die Orchestrierung.
Die Handlung wurde im Vergleich zum Volksstück etwas konzentriert,
mit großen Ensembleszenen und Tanznummern erweitert und um den Auftritt
des Kaisers bereichert. Geblieben sind die typischen Verwirrungen und Liebesgeschichten.
Handlung
1. Akt.
Der Kellner Leopold vom »Weißen Rößl« muß
den Ansturm der Reisenden zu bewältigen. Nicht die Arbeit bringt ihn
aus der Ruhe bringt, sondern die große Liebe zu seiner Chefin, der
Wirtin Josepha Vogelhuber. »Es muß was Wunderbares sein, von
dir geliebt zu werden«, schwärmt er, doch leider will die kesse
Frau nichts von ihn wissen. Ihre heimliche Neigung und Hoffnung gilt einem
sympathischen Stammgast, dem Rechtsanwalt Dr. Siedler. Er wird heute erwartet,
doch kommt der komisch-cholerische Berliner Strickwarenfabrikant Giesecke
mit seiner Tochter Ottilie an. Gleich findet der unermüdlich Grantige
Anlaß zum Ärger: das Balkonzimmer, das er haben möchte,
ist für Dr. Siedler reserviert ausgerechnet für diesen Rechtsvertreter
seines Konkurrenten Sülzheimer! Leopold hört nicht ungern von
der Abneigung Gieseckes gegen Siedler, denn seinem Nebenbuhler wünscht
er viel Mieserfolg. Als Dr. Siedler erscheint, dringt Josepha natürlich
darauf, daß der sehnlich erwartete Gast sein vorbestelltes Zimmer
auch