
Spätlese,
Komödie - Josefine, Judy
Winter
- Witwentröster Michael Altmann
Theater
am Kurfürstendamm - Foto. Thomas Grünholz
SPÄTLESE
von Folke Braband
Regie: Jürgen Wölffer, Bühne: Julia Hattstein, Kostüm:
Gabriella Ausonio
mit Judy Winter, Chariklia Baxevanos, Hannelore Cremer, Michael Altmann,
Mohamed El-Asmer und Astrid Kohrs
Theater am Kurfürstendamm
Maria, Agnes und Josefine, drei nicht mehr ganz taufrische, aber umso
schlagfertigere alte Damen, verbringen den Herbst ihres Lebens in der
Seniorenresidenz „Abendrot“.
Bridgepartien, kleine Sticheleien und regelmäßige Trauerfeiern
zu Ehren eines Mitbewohners zählen zu den Höhepunkten ihres
Daseins.
Das ändert sich prompt, als eines Tages nicht nur der junge Pfleger
Tarek, sondern auch der charmante Witwentröster Bruno auf der Bildfläche
erscheinen und die Herzen der Damen höher schlagen lassen. Als
eine mysteriöse Unbekannte ihren Besuch ankündigt, gerät
die Welt der „Golden Girls“ endgültig außer Kontrolle.

Spätlese,
Komödie -
Agnes,
Chariklia Baxevanos - Tarek, Mohammed Es-Asmer
Maria, Hannelore
Cremer
- Josefine, Judy
Winter
Theater
am Kurfürstendamm - Foto. Thomas Grünholz
„Mir ging es nicht in erster Linie darum eine Geschichte von A
bis Z zu erzählen, sondern Geschichten von Menschen zu erzählen.“,
erläutert Autor Folke Braband und fährt fort: „Wichtig
war mir beim Schreiben zwischen den Zeilen Schicksale sichtbar werden
zu lassen, die man auf den ersten Blick so nicht erwartet hätte.
Ich wollte die Sicht auf ältere Menschen schärfen, Vorurteile
entschärfen und Lebensentwürfe präsentieren, die das
Publikum interessieren und mit denen es sich identifizieren kann.
Meine drei Protagonistinnen sind Frauen, die das Herz auf dem rechten
Fleck haben. Trotz ihrer bisweilen schwierigen Vergangenheit haben sie
den Humor nicht verloren und einiges mit den ´Golden Girls´
gemeinsam: Sie sind ähnlich pointiert, schlagfertig und nicht gerade
zimperlich.
Ich wünsche mir, dass die Inszenierung die Zuschauer lachen lässt
– nicht über alte Menschen, sondern über deren Witz,
aber auch im richtigen Moment rührt und berührt.“

Spätlese,
Komödie -
Maria, Hannelore
Cremer- Tarek, Mohammed Es-Asmer
Theater am Kurfürstendamm
- Foto. Thomas Grünholz
Der Autor
Folke Braband
… hat sich weit über Berlin hinaus einen Namen als Regisseur
gemacht. Sein inszenatorisches Repertoire ist breit gefächert und
reicht von Schwänken, Musicals und Farcen, schwarzhumorigen Gesellschaftskomödien
sowie Kinder- und Jugendstücken über gesellschaftskritische
Stoffe bis hin zu modernen Klassikern.
Als Spezialist für Komödien mit Tiefgang, Screw Ball Comedies
und well made plays hat Braband sich immer wieder als eigener Bearbeiter
seiner Inszenierungen ausgewiesen und nun mit „Ganz in Weiß“,
„Nichts als die Wahrheit“ und „Spätlese“
seine ersten eigenen Komödien geschrieben. Auch deswegen, weil
er fand, „dass Deutschland in Sachen Komödien noch einigen
Nachholbedarf hat“.
Seine Fassung von „Ladies Night“ erhielt 2001 den Preis
der Berliner Theatergemeinde und gehört seitdem zu den meistgespielten
Stücken auf deutschsprachigen Bühnen. Außerdem ist Braband
als Übersetzer und Bearbeiter (u. a. für Noel Coward und Molière)
tätig.

Spätlese, Komödie - Josefine,
Judy
Winter
- Agnes,
Chariklia Baxevanos - Witwentröster Michael
Altmann
Theater
am Kurfürstendamm - Foto. Thomas Grünholz
Die „Golden Girls“
Judy Winter
Josefine
„Da ist das Leben wie das Theater. Man beginnt als jugendliche
Liebhaberin, wird dann Charakterdarstellerin und endet als komische
Alte.“
Bereits als Siebzehnjährige wurde Judy Winter in Ulm für die
Rolle der Jessica im „Kaufmann von Venedig“ von Peter Zadek
engagiert. Als dieser 1962 mit Kurt Hübner nach Bremen ging, war
sie dabei. Dort spielte sie u. a. in Zadeks legendärer Inszenierung
von Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und stand mit Schauspielern
wie Bruno Ganz und Vadim Glowna auf der Bühne. Damals bekam sie
auch erste Filmangebote. Da ihre Begabung auch im Singen lag, sah man
sie bald in Musicals: als Eliza in „My fair Lady“, in der
Titelrolle von „Hello, Dolly“ und unter der Regie von Helmut
Baumann als Velma Kelly in „Chicago“ am Thalia Theater in
Hamburg sowie am Theater an der Wien.
Anfang der 70er Jahre stand sie für die Simmel-Verfilmungen „Und
Jimmy ging zum Regenbogen“ und „Liebe ist nur ein Wort“
vor der Kamera. Es folgten unzählige Fernsehrollen: Sie spielte
Episodenhauptrollen in Serien-Klassikern wie „Derrick“,
„Der Kommissar“ und „Wolffs Revier“. Auch für
Wolfgang Petersens Kult-„Tatort“ „Reifezeugnis“
stand sie vor der Kamera.
Seit Mitte der achtziger Jahre war sie häufig am Renaissance-Theater
Berlin engagiert. Hier hatte sie mit „Marlene“ einen ihrer
größten Bühnenerfolge und die Kritiker titelten „Marlene
lebt und heißt jetzt Judy Winter“. Für ihre darstellerische
Leistung in „Marlene“ bekam sie zahlreiche Auszeichnungen.
2001 wurde ihr für ihr Engagement für die Aidshilfe das Bundesverdienstkreuz
verliehen.
In der Komödie am Kurfürstendamm stand sie zuletzt in „Fisch
zu viert“ auf der Bühne.
Chariklia
Baxevanos
Agnes
„… irgendein Stück Kuchen. Egal welchen, ich bin ja
nicht wählerisch. Hauptsache Diabetikerkuchen. Aber ohne Obst und
nicht so trocken und keine Mandeln und ohne Sahne. Das kann ich mir
nicht leisten.“
Chariklia Baxevanos wollte eigentlich Sängerin werden und besuchte
die Schauspielschule nur, um sich auf der Opernbühne besser bewegen
zu können. Doch es kam anders: Nach ihrer Ausbildung am Wiener
Max Reinhardt Seminar ging sie ans Stadttheater Wiesbaden, war an den
Münchener Kammerspielen engagiert und arbeitete am Theater in der
Josefstadt, Wien. Seit 1959 ist sie freiberufliche Schauspielerin und
spielte an allen führenden deutschen Boulevardbühnen. Sie
war in über 100 Hauptrollen zu sehen, beispielsweise in „Das
Mädchen Irma la Douce“, „Pygmalion“ oder „Die
Wildente“.
Vor der Kamera hatte sie schon 1952 erste Erfahrungen gesammelt: in
dem Hans-Moser-Streifen „Wir werden das Kind schon schaukeln“.
Es folgten rund 20 Kinoproduktionen mit so bekannten Kollegen wie Peter
Alexander, Georg Thomalla oder Joachim Fuchsberger.
Viele ihrer erfolgreichen Bühnenrollen verkörperte „die
Königin des Boulevard“ - wie Friedrich Luft sie einmal nannte
- auch im Fernsehen, wo sie in Produktionen wie „Miranda“,
„Sturm im Wasserglas“ oder „Zwiebeln und Butterplätzchen“
glänzte.
Für ihre Darstellung der Christine in John Oldens Schnitzler-Verfilmung
„Liebelei“ erhielt sie den Goldenen Bildschirm.
Außerdem war Chariklia Baxevanos als Synchronsprecherin erfolgreich
und lieh ihre Stimme unter anderem Shirley McLaine und Tyler Moore.
Hannelore
Cremer
Maria
„Wen interessiert schon mein Geburtstag? Es ist doch nur der 75.“
... stand bereits mit Hans Albers, Zarah Leander und Johannes Heesters
auf der Bühne. Ihre Karriere am Boulevard-Theater verdankt sie
Wolfgang Spier. Er holte die klassische Schauspielerin an die Komödie.
Mit ihm zusammen spielte Hannelore Cremer seit Ende der 70er Jahre in
zahlreichen Produktionen wie z. B. „Die bessere Hälfte“,
„So ein Schlawiner“ sowie „Komödie im Dunkeln“.
Zu den zahlreichen Fernsehproduktionen, in denen sie mitwirkte, gehören
unter anderem „Tatort“ und „Ein Fall für zwei“.
An der Komödie am Kurfürstendamm war sie zuletzt in „Heirat
wider Willen“ zu sehen.
Michael
Altmann
Der Witwentröster
… studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst in Frankfurt/Main. Anschließend folgten Engagements an verschiedenen
Schauspielhäusern, u. a. in Berlin, München, Hamburg, Stuttgart,
Düsseldorf und Köln. Zusammen mit Heinz Werner Kraehkamp gelang
ihm das Kunststück, aus der Komödie „Das Ende vom Anfang“
mit 500 Vorstellungen in zwölf Jahren einen Dauerbrenner zu machen.
Gemeinsam mit Kraehkamp kreierte er das Duo Kiebich & Dutz, für
das sie den Adolf-Grimme-Preis erhielten. Unter dem Pseudonym
Hartmann & Braun haben die beiden ein Label geschaffen, das bis
heute ein Begriff für kabarettistisches Schauspieltheater ist.
Neben seiner Bühnentätigkeit wirkte Altmann auch in verschiedenen
Film- und Fernsehproduktionen mit: So spielte er u. a. in „Molle
mit Korn“, „Nie wieder schlafen“, „Wolffs Revier“,
„Sie ist meine Mutter“ und „Anja & Anton“.
Zudem stand er für den Kinofilm „Schläft ein Lied in
allen Dingen“ von Jungregisseur Andreas Struck vor der Kamera,
der auf der Berlinale gezeigt wurde.
Altmanns Liebe zur Natur spiegelt sich in Gebirgsfilmen wider, die er
gedreht hat.
Für seine Arbeiten wurde er mit verschiedenen Publikumspreisen
ausgezeichnet.
Mohamed
El-Asmer
Tarek
… spielt einen Altenpfleger. El-Asmer spielte an der Vaganten
Bühne bereits in „Klassenfeind 2.0“ und „Ehrensache“.
Er studiert BWL und ist Gründer des Anti-Gewalt-Fussballturniers
sowie Veranstalter des „Berlin Run Marathon“.

Spätlese,
Komödie
- Maria, Hannelore
Cremer
- Astrid Kohrs
Theater
am Kurfürstendamm - Foto. Thomas Grünholz
Astrid
Kohrs
… spielt eine mysteriöse Unbekannte. Ab 1988 war Astrid Kohrs
am Schiller Theater Berlin engagiert, wo sie mit Regisseuren wie Harald
Clemen und Jérôme Savary arbeitete. Sie war in Wien, am
Schönbrunner Schlosstheater sowie in Schwedt an der Oder engagiert,
bevor Martin Woelffer sie an sein magazintheater holte. Hier war sie
das „kunstseidene Mädchen“ und trat in vielen weiteren
seiner Inszenierungen auf.
Mit Jürgen von der Lippe drehte sie die Comedy Serie „Der
Heiland auf dem Eiland“.
2008 ging sie mit Claude-Oliver Rudolph auf Tournee und spielte an seiner
Seite die Gelsomina in Fellinis
„La Strada“.
Am Kurfürstendamm war sie zuletzt in „Alles Astro“
zu sehen.

Spätlese,
Komödie -
Witwentröster, Michael Altmann - Josefine,
Judy
Winter -
Agnes,
Chariklia Baxevanos - Tarek, Mohammed Es-Asmer
- Maria, Hannelore
Cremer
Theater
am Kurfürstendamm - Foto. Thomas Grünholz
Jürgen
Wölffer
Der Regisseur
... ist seit 1958 beim Theater, wenn man nicht mit zählt, dass
er in einer Theaterfamilie aufgewachsen ist. Wie fast alle jungen Leute
interessierte er sich zuerst überhaupt nicht für den Beruf
seiner Eltern, sondern (in dieser Reihenfolge) für Feuerwehr, Autos,
Architektur,
Malerei und Politik - linke - natürlich. Noch in der Abiturklasse
besuchte er den privaten Unterricht einer damals berühmten Schauspiellehrerin,
um sich dort den Berliner Dialekt abzugewöhnen. Natürlich
machte die ihn zum Schauspieler. Er spielte dann ausschließlich
ernste und klassische Rollen in deutschen Staatstheatern. Einige der
größten Rollen der Literatur gehörten zu seiner hoffnungsvoll
begonnenen Karriere in gerade einmal acht Jahren. Dann aber trat er
doch in die Direktion seines Vaters, der Komödie und des Theaters
am Kurfürstendamm, ein. Es war keine leichte Entscheidung. Sie
war geprägt von der Liebe zum Vater, zu Berlin, zum Kurfürstendamm,
einer geerbten Unternehmerlust und dem sanften Druck von George Marton
und Hans Sanden, zweier jüdischer Freunde des Vaters aus der großen
Berliner Theaterzeit. Von dem Zeitpunkt an widmete er sich fast ausschließlich
dem Genre Komödie. 28 Jahre leitete er die beiden Bühnen,
erst mit Bruder Christian, dann alleine. Er gründete und ließ
die Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg und die Komödie
Dresden bauen.
Er freut sich, dass sein Sohn Martin seit 2004 die Leitung der Berliner
Häuser übernommen hat.